Ein genauer Blick hinter unsere Pforte
Schon länger war bekannt, dass unsere kleine Einrichtung erneut von der zuständigen Aufsichtsbehörde – der Aufsicht für unterstützende Wohnformen beim Landesamt für Soziales und Versorgung – besucht und geprüft werden würde. Zunächst erhielten wir die Prüfungsanordnung per E-Mail. Aus verschiedenen Gründen wurde der Termin noch zweimal verschoben. Dann war er schließlich da: der große Tag. 10.09.2026
Zehn Minuten vor der vereinbarten Zeit stand unser Prüfer pünktlich vor der Toranlage. Ausgerechnet in diesem Moment klemmte jedoch die kleine Pforte: Die elektronische Türöffnung reagierte nicht, und von außen gab es für ihn keine Möglichkeit, auf das Gelände zu gelangen. So wartete er zunächst mit seinem Rucksack vor dem verschlossenen Eingang. Einer unserer Mitarbeiter musste deshalb zum Tor gehen und die Pforte von innen, mit der Hand, zum Hof hin öffnen. Natürlich war das kein großes Problem – aber als Auftakt zu einer offiziellen Prüfung hätte man sich einen reibungsloseren Empfang gewünscht. Unser Prüfer nahm die kleine Panne zum Glück gelassen und mit Humor. Damit war das erste Eis bereits gebrochen.

Aus mehreren vorherigen Telefonaten kannten wir unseren Prüfer bereits der Stimme nach und hatten dabei einen fachlich wie menschlich angenehmen Eindruck gewonnen. Dieser bestätigte sich beim persönlichen Kennenlernen sofort. Nach seiner rund 90-minütigen Anfahrt standen zunächst ganz alltägliche Bedürfnisse im Vordergrund. Wer selbst schon länger mit dem Auto unterwegs war, kann das gut nachvollziehen. Schnell und unkompliziert war dafür gesorgt, und danach konnte der eigentliche Besuch beginnen.
Zunächst führten wir unseren Prüfer über das Gelände und durch den Sinnesgarten. Schon während dieses Rundgangs begann ganz selbstverständlich der erste Teil der Prüfung. Denn eine Aufsicht verschafft sich nicht nur am Besprechungstisch ein Bild von einer Einrichtung. Sie schaut auch darauf, wie der Alltag tatsächlich gelebt wird: bei Begegnungen auf dem Gelände, bei Mahlzeiten, bei Beschäftigungsangeboten oder während eines Spaziergangs. So entstanden bereits unterwegs erste Gespräche mit Bewohnerinnen, Bewohnern und Mitarbeitenden. Für unseren Prüfer war dies eine gute Gelegenheit, Atmosphäre, Abläufe und das Miteinander unmittelbar wahrzunehmen.
Anschließend ging es an die Unterlagen. Einige rein formale Dokumente hatten wir bereits vorab per E-Mail übermittelt; alles Weitere lag geordnet und griffbereit auf unserem Besprechungstisch. Es folgte eine zielgerichtete und zugleich sehr gründliche Prüfung. Unser Prüfer arbeitete sich Punkt für Punkt durch den Prüfkatalog, erklärte sein Vorgehen und verband seine Fragen immer wieder mit konkreten Beratungshinweisen. Manche Anregungen konnten wir noch am selben Tag aufgreifen, andere werden wir nun Schritt für Schritt nacharbeiten. Geprüft wurden unter anderem Gespräche mit Bewohnerinnen und Bewohnern, Angehörigen sowie Mitarbeitenden, die Fortbildungsplanung im Jahresverlauf und die Pflegedokumentation. Dabei blieb es nicht bei einem oberflächlichen Blick. Es ging bis in jene kleinen Details, aus denen sich die Lebensqualität im Alltag zusammensetzt: Stehen Sie lieber früh oder spät auf? Können Sie nachts in Ruhe schlafen? Sind Sie mit der Auswahl beim Essen zufrieden? Nehmen Sie gern an Gemeinschaftsangeboten teil? Solche Fragen wirken zunächst unscheinbar. Zusammen ergeben sie jedoch ein aussagekräftiges Bild: Werden Selbstbestimmung und Teilhabe wirklich gelebt? Wie steht es um Personalausstattung, Pflege, Betreuung, Förderung und gibt es ein Beratung bezüglich des erforderlichen Hilfebedarfs? Und entspricht die Wohnqualität den Bedürfnissen der Menschen, die hier leben?
Kurz zuvor hatte sich die Zuständigkeit für unsere Einrichtung geändert. Unser Prüfer war daher neu für uns und wollte sich ein umfassendes eigenes Bild machen. Wir erlebten ihn als freundlich, dynamisch und stets konzentriert. Er erklärte seine einzelnen Schritte nachvollziehbar, begegnete den Menschen empathisch und blieb zugleich hartnäckig bei den entscheidenden Fragen. Am Ende sagte er selbst ganz offen, dass er bewusst besonders tief geprüft habe, weil er unsere Einrichtung noch nicht kannte und sie wirklich kennenlernen wollte. Diesen Ansatz empfanden wir als nachvollziehbar und fair.
Im Abschlussgespräch bedankte sich unser Prüfer für die gute Zusammenarbeit und die angenehme Atmosphäre. Umso mehr freuten wir uns über seine insgesamt positive Beurteilung. Besonders schön war für uns seine Wahrnehmung, dass der Garten, das Haus, unsere Bewohnerinnen und Bewohner sowie unser Team ruhig und entspannt auf ihn wirkten. Bewohnerinnen, Bewohner und Angehörige seien zufrieden – eine Rückmeldung, die für uns besonders viel bedeutet. Genau darauf kommt es am Ende an: dass sich die Menschen bei uns wohlfühlen, ihren Alltag möglichst selbst bestimmt gestalten können und auch ihre Angehörigen Vertrauen in unsere Arbeit haben. So wurde die Prüfung zu dem, was sie im besten Sinne sein sollte: kein Tribunal, sondern ein genauer, respektvoller Blick von außen darauf, ob es unseren Bewohnerinnen und Bewohnern gut geht. Und vielleicht passte sogar die klemmende Pforte zu diesem Tag: Sie sorgte zwar kurz für Aufregung, zeigte aber auch, dass sich mit direkter Hilfe, Gelassenheit und einer Portion Humor manches Hindernis schnell öffnen lässt.
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