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Ein Tag, der nach Garten duftet

  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Die offenen Gärten in der Prignitz haben eine lange Tradition – und jedes Jahr erzählt diese Tradition neue Geschichten. Unsere beginnt früh am Morgen, noch bevor die ersten Besucher überhaupt daran dachten, loszufahren. Der Sinnesgarten am MartinsHof lag still da, als würde er tief einatmen, bevor der Tag beginnt.


In diesem Jahr hatten wir uns wieder entschlossen, unsere Pforten zu öffnen. Nicht jedes Jahr schaffen wir es, aber diesmal war es uns wichtig. Vielleicht, weil die Natur uns besonders herausgefordert hat. Vielleicht, weil wir spürten, dass unser Garten etwas zu erzählen hatte.


Arbeit, die man nicht sieht – aber fühlt

Die Tage davor waren intensiv. Jeder im Team packte an: – Beete wurden neu bepflanzt, – der Rasen sauber geschnitten, – Wege von Bewuchs befreit, der zwar schön aussieht, aber eben nicht dort wachsen soll.

Der größte Kraftakt aber war unser Sinnesgarten selbst. Die Natur meinte es in diesem Jahr besonders gut mit dem Wildwuchs – und wir meinten es besonders gut mit der Natur. Seit Jahren verzichten wir auf chemische Mittel. Alles wird mit der Hand gemacht, mit Sensen, mit Geduld, mit Respekt.

Und mittendrin: Frau Pamin, die mit ihrem Blick für jedes Detail genau wusste, wo wir noch einmal nacharbeiten mussten. Sie war unser Kompass.


Ein Himmel, der uns erst zappeln ließ – und dann belohnte

Der Wetterbericht hatte uns wenig Hoffnung gemacht. Doch der Tag zeigte sich von seiner freundlichen Seite: bedeckt, aber mild, mit kleinen Sonnenfenstern, die wie kurze Lächeln wirkten. Der Regen hielt sich zurück – gerade genug, um die Luft frisch zu halten.

Um 10 Uhr öffneten wir den Garten. Und niemand kam. Bis 13 Uhr – immer noch niemand.

Wir schauten uns an, lachten ein wenig unsicher, tranken Kaffee und warteten weiter.

Dann, nach 14 Uhr, änderte sich alles.


Ein Garten, der Menschen anzieht

Plötzlich kamen Besucher. Erst wenige, dann immer mehr. Menschen, die nicht nur schauen wollten, sondern wirklich verstehen wollten: Was ist Grüne Pflege? Wie arbeitet der MartinsHof? Warum ein Sinnesgarten?

Gemeinsam gingen wir durch die Duftinseln aus Lavendel, Minze und Rosen. Am Teich blieben viele stehen, beobachteten Libellen, lauschten dem Wasser und ließen sich erklären, wie Natur in der Pflege wirkt. Sie berührten die Kräuter, rochen an den Blättern und spürten, dass dieser Garten mehr ist als ein schöner Ort – er ist ein Werkzeug, ein Begleiter, ein stiller Therapeut.

Einige Besucher blieben anschließend zum Kaffee. Und der Kuchen – sechs große Bleche – verschwand fast vollständig. Nur ein paar hart verteidigte Stücke überlebten den Nachmittag. Jetzt liegen sie im Froster, und wir werden uns später mit einem Lächeln an diesen Tag erinnern – an die Gespräche, die Begegnungen und an die Freude, die dieser Garten in die Menschen gebracht hat.


Fast ein Jahr ist es nun her, dass Herr Peters – nachdem er sein schönes Zuhause mit dem großen, beinahe parkähnlichen Garten Schritt für Schritt verlassen musste – im MartinsHof eingezogen ist. Seitdem verfolgt er aufmerksam jede Entwicklung im Sinnesgarten und ist zu einem echten, täglichen Nutzer dieses besonderen Ortes geworden.

Er hat seine Lieblingsbank gefunden, kennt die besten Plätze, wenn die Sonne scheint – und auch jene, die Schatten spenden, wenn es zu viel wird. Er sieht die vielen kleinen und großen Arbeiten, die nötig sind, damit Wege begehbar bleiben und der Garten nicht nur gepflegt aussieht, sondern erlebbar bleibt. Für ihn ist der Sinnesgarten längst mehr als ein Angebot: Er ist ein Stück vertraute Lebenswelt, das ihm Orientierung, Struktur und Freude schenkt.

All das hat er seiner Tochter – die ihn gemeinsam mit einer Verwandten zum Tag des offenen Gartens besuchte – mit sichtbarem Stolz gezeigt und erklärt. Es sind genau diese Momente, in denen unser Garten seine volle Wirkung entfaltet: Wohlbefinden, Teilhabe, Identität, Zugehörigkeit. Hier zeigt sich, wie stark die Verbindung zwischen Mensch und Natur sein kann – und wie sehr sie die pflegerische Arbeit unterstützt. Der Sinnesgarten wirkt nicht allein durch Pflanzen, sondern durch das Zusammenspiel von Natur, Menschen und professioneller Begleitung. Das ist gelebte Grüne Pflege. Das ist Leben.


Ein besonderer Dank gilt unserer gesamten Mitarbeiterschaft. Wir hatten ehrlich gesagt erwartet, dass an diesem Wochenende kaum Besucher kommen würden – und gerade deshalb konnten wir zwei unserer Mitarbeiterinnen ein freies Wochenende gönnen. Umso schöner war es, dass sich alle anderen mit so viel Herz und Einsatz eingebracht haben. Jeder Handgriff, jedes Lächeln, jede spontane Hilfe hat dazu beigetragen, dass dieser Tag so harmonisch und lebendig wurde. Es war spürbar, dass unser Sinnesgarten nicht nur von Pflanzen, sondern von Menschen getragen wird, die mit Freude und Verantwortung wirken.

Ein weiterer Dank geht an Frau Bluhm vom Bluhms Hotel in Kyritz, die uns trotz ihres vollen Terminkalenders am Samstagabend noch ihre 6 frisch gebackenen Kuchenbleche brachte. Ein Geschenk, das man schmeckt.


Auch die Hunde hatten ihren Moment

Unsere kleinen Hündchen bekamen Besuch von einer großen Jagdhündin. Und wie selbstverständlich zeigten sie uns, was wir Menschen manchmal vergessen: Harmonie ist möglich, wenn man sie zulässt.


Ein Tag, der bleibt

Am Ende des Tages zählten wir etwa 50 Besucher – viel mehr, als wir erwartet hatten. Wir waren überrascht. Wir waren dankbar. Wir waren erschöpft.

Um 18 Uhr schlossen wir die Gartenpforte. Der Sinnesgarten lag wieder still da, aber diesmal mit dem Gefühl, dass er vielen Menschen etwas gegeben hatte: Ruhe, Freude, Neugier, Verbundenheit.

Und wir? Wir gingen nach Hause mit dem Wissen, dass sich all die Arbeit gelohnt hat.


Ein persönlicher Gedanke zum Schluss

Zum Ende dieses Tages bewegt mich noch etwas, das ich gern teilen möchte. Ich wundere mich, dass nur eine einzige Besucherin aus dem sozialen Bereich den Weg in unseren Sinnesgarten gefunden hat. Vielleicht schließe ich zu oft von mir auf andere – aber ich bin neugierig. Ich möchte verstehen, wie Pflege sich weiterentwickeln kann, wie neue Wege aussehen, wie Natur und Betreuung zusammenwirken. Dafür fahre ich auch gern ein paar Kilometer, schaue mir andere Einrichtungen an, lasse mir Dinge erklären und nehme Impulse mit nach Hause. Darum frage ich mich: Warum interessieren sich so wenige Kolleginnen und Kollegen für das, was wir hier am MartinsHof seit Jahren leben – die Grüne Pflege, die Verbindung von Natur, Sinneserleben und menschlicher Zuwendung? Es ist kein Vorwurf, nur ein ehrliches Staunen. Vielleicht braucht es einfach Zeit, bis sich neue Wege herumsprechen. Vielleicht müssen wir noch sichtbarer werden. Vielleicht müssen wir noch öfter erzählen, was hier wächst – nicht nur im Garten, sondern im Miteinander. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen aus der Pflege den Mut finden, neugierig zu sein. Denn wer neugierig bleibt, kann wachsen. Und wer wächst, kann anderen helfen zu wachsen.


Danke an alle Besucherinnen und Besucher. Danke an alle Helfenden. Danke an die Natur, die uns jeden Tag zeigt, wie viel sie kann.


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