Die generalistische Pflegeausbildung in Deutschland
- 9. Feb.
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Aktualisiert: 23. Feb.
Sechs Jahre generalistische Pflegeausbildung: Herausforderungen, Nachjustierungsbedarf und die Rolle der Pflegefachassistenz ab 2026

Die Pflege in Deutschland befindet sich seit einigen Jahren in einem tiefgreifenden Wandel. Mit dem Pflegeberufegesetz von 2020 wurde die größte Reform der Pflegeausbildung seit Jahrzehnten umgesetzt: Die drei bisherigen Berufe – Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege – wurden zu einem einzigen Abschluss zusammengeführt, der generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann.
Diese Reform verfolgt ein klares Ziel: Pflege soll moderner, flexibler und zukunftsfähiger werden. Diese Ausbildung soll Pflegefachpersonen hervorbringen, die in allen Versorgungsbereichen kompetent arbeiten können – im Krankenhaus, in der stationären Altenpflege, in der ambulanten Versorgung und auch in der Pädiatrie. Damit verbunden ist ein deutlich höherer fachlicher Anspruch, der sich sowohl in den theoretischen Inhalten als auch in den Prüfungsanforderungen widerspiegelt.
Die Pflegefachassistenz bildet ab 2026 als Schwester der generalistischen Pflegeausbildung einen neuen zentralen Bestandteil der Pflegeberufe-Ausbildung und spielt in der Multiprofessionellen Entwicklung eine entscheidende Rolle für die Sicherung einer qualitativ hochwertigen Versorgung. Als eigenständiger Abschluss ergänzt sie die generalistische Ausbildung gezielt und trägt maßgeblich dazu bei, den Fachkräftemangel zu reduzieren. Pflegefachassistentinnen und -assistenten übernehmen eigenverantwortlich grundlegende pflegerische Aufgaben und stärken damit die Versorgung im gesamten Pflegesystem. Werden sie als zusätzliche feste Stellen im Personalschlüssel berücksichtigt, profitieren sowohl Pflegeteams als auch Patientinnen und Patienten von einer flexiblen und bedarfsgerechten Entlastung. Dies erhöht die Versorgungssicherheit und verbessert die Ausbildungsqualität spürbar.
Die Integration der Pflegefachassistenz in die generalistische Ausbildung eröffnet neue Perspektiven: Sie trägt zur Professionalisierung und Attraktivitätssteigerung der Pflegeberufe bei, indem sie den Zugang zur Ausbildung erleichtert und die Vielfalt der Versorgungssettings abbildet. Gleichzeitig wird die Versorgungssicherheit gestärkt, da Pflegefachassistentinnen und -assistenten als qualifizierte Unterstützung für Pflegefachkräfte zur Verfügung stehen und die Teams entlasten. Doch genau hier beginnen die Herausforderungen. Die Zugangsvoraussetzungen für den Abschluss des Berufes Pflegefachmann- Pflegefachfrau sind höher als früher, und die Ausbildung hat einen deutlich akademischeren Charakter. Viele Bewerberinnen und Bewerber, die früher problemlos in die Altenpflege eingestiegen wären, scheitern heute bereits an den formalen Hürden oder an der theoretischen Belastung. Das führt zu steigenden Abbruchquoten und zu einer wachsenden Zahl von Auszubildenden, die die Abschlussprüfung nicht bestehen. Fachverbände kritisieren, dass die Reform zwar fachlich sinnvoll sei, aber zu wenig Rücksicht auf die Vielfalt der Zielgruppen nehme, die traditionell in der Pflege arbeiten.
Auch die Umsetzung in der Praxis ist anspruchsvoll. Die generalistische Ausbildung verlangt eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis, doch viele Einrichtungen kämpfen mit Personalmangel, fehlenden Praxisanleitenden und unzureichenden Strukturen. Auszubildende berichten von Überforderung, fehlender Anleitung und mangelnder Wertschätzung. Gleichzeitig fühlen sich viele Teams unsicher, weil sie die Logik der Generalistik noch nicht vollständig verstanden haben.
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Finanzierung. Die Ausbildung wird über Landesausbildungsfonds refinanziert, in die alle Pflegeeinrichtungen einzahlen. Doch in der stationären Altenpflege geschieht dies über die Pflegesätze – das bedeutet, dass pflegebedürftige Menschen über ihre Eigenanteile einen Teil der Ausbildungskosten mittragen. Diese Tatsache ist politisch gewollt, aber gesellschaftlich umstritten und wird von vielen Verbänden kritisch gesehen. Wenn wenigstens genügend Auszubildende am Ende tatsächlich den Berufsabschluss erreichen würden, ließe sich diese Finanzierung vielleicht besser rechtfertigen. Leider zeigt sich jedoch, dass die Ausbildung über drei Jahre hinweg finanziert wird, aber nur etwas mehr als die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen die Abschlussprüfung besteht. Für diejenigen, die die Prüfung nicht schaffen, existiert kein alternativer oder gestufter Abschluss, der ihnen den beruflichen Einstieg erleichtern oder eine andere Perspektive eröffnen könnte – eine solche Möglichkeit gibt es bislang nicht. Vielleicht nun durch die neue Ausbildung der Pflegefachassistenz?
Trotz aller Schwierigkeiten bietet die generalistische Ausbildung große Chancen. Sie schafft ein einheitliches Berufsbild, erleichtert berufliche Fachwechsel und eröffnet neue Karrierewege. Die Einbindung der Pflegefachassistenz kann hierbei eine Brücke schlagen. Sie fördert die Professionalisierung und macht den Pflegeberuf attraktiver für unterschiedliche Zielgruppen. Damit diese Chancen wirklich genutzt werden können, braucht es eine ehrliche und umfassende Evaluation: Sind die Zugangsvoraussetzungen angemessen? Sind die Prüfungen praxisnah genug? Funktioniert die Praxisanleitung? Ist die Finanzierung gerecht? Und unterstützen ergänzende Praxiseinsätze die Ausbildungsqualität in allen Versorgungsbereichen?
Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Die Reform ist nicht gescheitert – aber sie ist auch noch nicht dort, wo sie sein sollte. Jetzt geht es darum, nachzusteuern, zu verbessern und die Ausbildung so weiterzuentwickeln, dass sie sowohl den Anforderungen der modernen Pflege als auch den Bedürfnissen der Auszubildenden gerecht wird – und dabei die Potenziale der Pflegefachassistenz und spezialisierter Einrichtungen gezielt nutzt.
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