Die generalistische Pflegeausbildung in Deutschland
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Sechs Jahre generalistische Pflegeausbildung: Herausforderungen, Nachjustierungsbedarf und die Rolle der Pflegefachassistenz ab 2027

Die Pflege in Deutschland befindet sich seit einigen Jahren in einem tiefgreifenden Wandel. Das Pflegeberufegesetz wurde 2017 beschlossen und gilt für die Ausbildung seit 2020. Es ist die größte Reform der Pflegeausbildung seit Jahrzehnten: Die drei bisherigen Berufe – Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege – wurden zu einem gemeinsamen Abschluss zusammengeführt, der generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann.
Diese Reform verfolgt ein klares Ziel: Pflege soll moderner, flexibler und zukunftsfähiger werden. Die Auszubildenden sollen in allen Versorgungsbereichen kompetent arbeiten können – im Krankenhaus, in der stationären Altenpflege, in der ambulanten Versorgung und auch in der Pädiatrie. Damit verbunden ist ein deutlich höherer fachlicher Anspruch, der sich in den theoretischen Inhalten und in den Prüfungsanforderungen widerspiegelt.
Die Pflegefachassistenz kommt ab 2027 als eigenständige, 18-monatige Ausbildung hinzu und ergänzt die generalistische Pflegeausbildung. Sie soll die Teams entlasten und den Berufseinstieg erleichtern. Pflegefachassistentinnen und -assistenten übernehmen grundlegende pflegerische Aufgaben, vor allem in stabilen Pflegesituationen. Die Verantwortung für den Pflegeprozess und die den Fachpersonen vorbehaltenen Tätigkeiten bleibt bei den Pflegefachpersonen. Den Fachkräftemangel können sie nicht beheben, aber sie können zur Entlastung beitragen. Werden sie als zusätzliche feste Stellen im Personalschlüssel berücksichtigt, profitieren Pflegeteams und Bewohnerinnen und Bewohner von einer flexiblen, bedarfsgerechten Entlastung.
Die Einführung der Pflegefachassistenz eröffnet neue Perspektiven: Als eigene, anschlussfähige Ausbildung erleichtert sie den Einstieg in die Pflege, und ein späterer Wechsel in die generalistische Ausbildung ist vorgesehen. Doch genau hier beginnen die Herausforderungen. Die generalistische Ausbildung ist theoretisch deutlich anspruchsvoller als die frühere Altenpflegeausbildung. Etwa jeder Dritte löst den Ausbildungsvertrag vorzeitig auf (33,4 % im Jahr 2024); ein Teil davon wechselt nur den Betrieb, etwa die Hälfte sind echte Abbrüche. Die Ursachen sind nicht einheitlich belegt. Fachverbände [Verband nennen, z. B. DBfK] kritisieren, dass die Reform zwar fachlich sinnvoll sei, aber zu wenig Rücksicht auf die Vielfalt der Zielgruppen nehme, die traditionell in der Pflege arbeiten.
Auch die Umsetzung in der Praxis ist anspruchsvoll. Die generalistische Ausbildung verlangt eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis, doch viele Einrichtungen kämpfen mit Personalmangel, fehlenden Praxisanleitenden und unzureichenden Strukturen. Auszubildende berichten [Quelle nennen, z. B. Ausbildungsreport Pflegeberufe der DGB-Jugend] von Überforderung, fehlender Anleitung und mangelnder Wertschätzung. Gleichzeitig fühlen sich viele Teams unsicher, weil sie die Logik der Generalistik noch nicht vollständig verstanden haben.
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Finanzierung. Die Ausbildung wird über Landesausbildungsfonds finanziert, in die Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, das Land und die Pflegeversicherung einzahlen. In der stationären Altenpflege geschieht dies zum Teil über die Pflegesätze – das bedeutet, dass pflegebedürftige Menschen über ihre Eigenanteile einen Teil der Ausbildungskosten mittragen. Diese Tatsache ist politisch gewollt, aber gesellschaftlich umstritten und wird von vielen Verbänden kritisch gesehen. Nach einer Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hatten 59 % des Ausbildungsjahrgangs 2020 drei Jahre später den Abschluss erreicht. Bei den übrigen fand keine Prüfung statt; durchgefallen sind nur wenige. Einen bundeseinheitlichen, gestuften Abschluss, der den Einstieg erleichtert oder nach einem Abbruch eine Perspektive eröffnet, gab es bislang nicht; in einigen Bundesländern bestehen landesrechtliche Helferausbildungen. Mit der Pflegefachassistenz kommt nun ein bundeseinheitlicher Abschluss hinzu.
Trotz aller Schwierigkeiten bietet die generalistische Ausbildung große Chancen. Sie schafft ein einheitliches Berufsbild, erleichtert berufliche Fachwechsel und eröffnet neue Karrierewege. Die Pflegefachassistenz kann dabei eine Brücke schlagen. Sie fördert die Professionalisierung und macht den Pflegeberuf attraktiver für unterschiedliche Zielgruppen. Damit diese Chancen wirklich genutzt werden können, braucht es eine ehrliche und umfassende Evaluation: Sind die Zugangsvoraussetzungen angemessen? Sind die Prüfungen praxisnah genug? Funktioniert die Praxisanleitung? Ist die Finanzierung gerecht? Und unterstützen ergänzende Praxiseinsätze die Ausbildungsqualität in allen Versorgungsbereichen?
Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Die Reform ist nicht gescheitert – aber sie ist auch noch nicht dort, wo sie sein sollte. Jetzt geht es darum, nachzusteuern, zu verbessern und die Ausbildung so weiterzuentwickeln, dass sie sowohl den Anforderungen der modernen Pflege als auch den Bedürfnissen der Auszubildenden gerecht wird – und dabei die Potenziale der Pflegefachassistenz und spezialisierter Einrichtungen gezielt nutzt.
Quellen: Pflegeausbildungsstatistik 2024 und BIBB-Auswertung (zitiert nach AOK, Daten und Analysen Pflegeausbildung).*
MartinsHof Grabow · Hauptstraße 14 · 16945 Kümmernitztal OT Grabow Telefon: 033968 508900 · Mail: info@martinshof-grabow.de · IK Zeichen: 511 211 405



