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Die generalistische Pflegeausbildung in Deutschland

  • Autorenbild: Siegfried Niebius
    Siegfried Niebius
  • vor 39 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

Herausforderungen dieser Ausbildung


Die Pflege in Deutschland befindet sich seit einigen Jahren in einem tiefgreifenden Wandel. Mit dem Pflegeberufegesetz von 2020 wurde die größte Reform der Pflegeausbildung seit Jahrzehnten umgesetzt: Die drei bisherigen Berufe – Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege – wurden zu einem einzigen Abschluss zusammengeführt, der generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann.

Diese Reform verfolgt ein klares Ziel: Pflege soll moderner, flexibler und zukunftsfähiger werden. Die neue Ausbildung soll Pflegefachpersonen hervorbringen, die in allen Versorgungsbereichen kompetent arbeiten können – im Krankenhaus, in der stationären Altenpflege, in der ambulanten Versorgung und auch in der Pädiatrie. Damit verbunden ist ein deutlich höherer fachlicher Anspruch, der sich sowohl in den theoretischen Inhalten als auch in den Prüfungsanforderungen widerspiegelt.


Doch genau hier beginnen die Herausforderungen. Die Zugangsvoraussetzungen sind höher als früher, und die Ausbildung hat einen deutlich akademischeren Charakter. Viele Bewerberinnen und Bewerber, die früher problemlos in die Altenpflege eingestiegen wären, scheitern heute bereits an den formalen Hürden oder an der theoretischen Belastung. Das führt zu steigenden Abbruchquoten und zu einer wachsenden Zahl von Auszubildenden, die die Abschlussprüfung nicht bestehen. Fachverbände kritisieren, dass die Reform zwar fachlich sinnvoll sei, aber zu wenig Rücksicht auf die Vielfalt der Zielgruppen nehme, die traditionell in der Pflege arbeiten.


Auch die Umsetzung in der Praxis ist anspruchsvoll. Die generalistische Ausbildung verlangt eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis, doch viele Einrichtungen kämpfen mit Personalmangel, fehlenden Praxisanleitenden und unzureichenden Strukturen. Auszubildende berichten von Überforderung, fehlender Anleitung und mangelnder Wertschätzung. Gleichzeitig fühlen sich viele Teams unsicher, weil sie die Logik der Generalistik noch nicht vollständig verstanden haben.


Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Finanzierung. Die Ausbildung wird über Landesausbildungsfonds refinanziert, in die alle Pflegeeinrichtungen einzahlen. Doch in der stationären Altenpflege geschieht dies über die Pflegesätze – das bedeutet, dass pflegebedürftige Menschen über ihre Eigenanteile einen Teil der Ausbildungskosten mittragen. Diese Tatsache ist politisch gewollt, aber gesellschaftlich umstritten und wird von vielen Verbänden kritisch gesehen. Wenn wenigstens genügend Auszubildende am Ende tatsächlich den Berufsabschluss erreichen würden, ließe sich diese Finanzierung vielleicht besser rechtfertigen. Leider zeigt sich jedoch, dass die Ausbildung über drei Jahre hinweg finanziert wird, aber nur etwa die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen die Abschlussprüfung besteht. Für diejenigen, die die Prüfung nicht schaffen, existiert zudem kein alternativer oder gestufter Abschluss, der ihnen den beruflichen Einstieg erleichtern oder eine andere Perspektive eröffnen könnte – eine solche Möglichkeit gibt es bislang nicht.


Trotz aller Schwierigkeiten bietet die generalistische Ausbildung große Chancen. Sie schafft ein einheitliches Berufsbild, erleichtert berufliche Wechsel und eröffnet neue Karrierewege. Doch damit diese Chancen wirklich genutzt werden können, braucht es eine ehrliche und umfassende Evaluation: Sind die Zugangsvoraussetzungen angemessen? Sind die Prüfungen praxisnah genug? Funktioniert die Praxisanleitung? Und ist die Finanzierung gerecht?

Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Die Reform ist nicht gescheitert – aber sie ist auch noch nicht dort, wo sie sein sollte. Jetzt geht es darum, nachzusteuern, zu verbessern und die Ausbildung so weiterzuentwickeln, dass sie sowohl den Anforderungen der modernen Pflege als auch den Bedürfnissen der Auszubildenden gerecht wird.


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